Forderungen des Vereins GEDENKDIENST (Juni 2018)

Seit 25 Jahren tragen wir als Verein GEDENKDIENST durch unser historisch-politisches Bildungsprogramm und die Entsendung von jährlich 20 jungen und engagierten Menschen zur Erinnerungskultur und Gedenkpolitik im In- und Ausland bei. Nur dank zahlreicher ehrenamtlich tätigen AktivistInnen können wir dies auf kontinuierlich hohem Niveau umsetzen. Eineeigenständige Finanzierung für unsereArbeit als Gedenkdienst-Trägerverein gibt es seitens der Republik nicht, trotz der stetig anwachsenden Aufgaben und Verpflichtungen gegenüber den Gedenkdienstleistenden, Einsatzstellen und Behörden. Zusätzlich wurde die ohnehin knappe Fördersumme für Gedenkdienstleistende in den letzten Jahrzehnten immer wieder gekürzt.

Durch die Novellierungen des Freiwilligengesetzes können nun Frauen und Männer zu gleichen Rechten einen finanziell geförderten Gedenkdienst leisten. Im Oktober 2017 wurde die Fördersumme für Auslandsdienste auf 1,2 Millionen Euro erhöht. Durch die einstimmige, von allen Parteien mitgetragene, Aufstockung hat das Parlament ein bedeutendes (gesellschafts-)politisches Zeichen gesetzt. Dieses Bekenntnis zur historischen Verantwortung Österreichs sowie die offensichtliche Wertschätzung der Arbeit von Gedenkdienstleistenden haben wir mit großer Freude zur Kenntnis genommen.

Mit diesen Beschlüssen ging allerdings ein massiver Anstieg des bürokratischen Aufwandes einher, der die ehrenamtlich arbeitenden Mitglieder des Vereins regelmäßig an ihre Belastungsgrenzen bringt. Unter diesem gestiegenen administrativen Mehraufwand leiden die Betreuung der Gedenkdienstleistenden sowie das Bildungsprogramm des Vereins. Mit dieser Problematik sind wir nicht allein. So musste beispielsweise der Verein Niemals Vergessen im Jahr 2017 die Entsendetätigkeit einstellen, da die überbordende Bürokratie für sie ökonomisch nicht mehr tragbar war. Es stellt sich die Frage, warum ehrenamtliches Engagement, das im Sinne der Republik ist, so viele bürokratische Hürden in den Weg gelegt werden, sodass die Vereine ihrer Arbeit nicht mehr in vollem Umfang nachkommen können.

Besonders enttäuschend war für uns die Ankündigung, dass es trotz Erhöhung der Fördersumme im Gesetz keine reale finanzielle Verbesserung für die einzelnen Gedenkdienstleistenden geben wird. Damit wird einer der zentralen Forderungen des Vereins nicht nachgekommen. Die Freiwilligen sind massiv auf finanzielle Unterstützung der Eltern angewiesen oder müssen auf Erspartes zurückgreifen. Einige kommen sogar verschuldet aus ihrem Gedenkdienstjahr zurück. Wir verstehen nicht, weshalb einerseits Gedenkdienstleistende im Ausland gerne von VertreterInnen der Republik bei Staatsbesuchen als Aushängeschild präsentiert werden, anderseits der Verein sowie die Freiwilligen selbst finanziell ausgehungert und bürokratisch überlastet werden. Gedenkdienst muss aufgrund der politischen Verantwortung Österreichs für alle Menschen im Sinne der Gleichbehandlung ermöglicht werden – ohne zusätzliche Hürden! Eine aktive Erinnerungskultur darf nicht zu einem Elitenprojekt verkommen.

Wir wollen Gedenkdienst für alle ermöglichen, unabhängig vom sozioökonomischen Hintergrund.

Aufgrund der Tatsache, dass in absehbarer Zeit keine Verbesserung der seit Jahren schlechter werdenden Fördersituation der Gedenkdienstleistenden zu erwarten istund angesichts der bürokratischen Hürden, die für ehrenamtliche MitarbeiterInnen in diesem Ausmaß nicht mehr zu bewältigen sind, sieht sich der Verein GEDENKDIENST gezwungen, keinen weiteren Jahrgang an Gedenkdienstleistenden mehr auszuwählen und somit die Entsendetätigkeit einzustellen.

Wir werden die Entsendetätigkeit erst wiederaufnehmen, wenn folgende Forderungen erfüllt sind:

  • Tatsächliche Erhöhung der Fördersumme pro Gedenkdienstleistenden
  • Vereinfachung der Strukturen sowie bürokratische Entlastung

Gerade im Gedenkjahr 2018 appellieren wir an den politischen Willen der EntscheidungsträgerInnen, ihr Bekenntnis zur Aufarbeitung des Holocaust und der nationalsozialistischen Verbrechen auch in die Tat umzusetzen und nicht nur als Lippenbekenntnis zu sehen.

Advertisements